Hier einige kurze TV-Berichte zum Thema Serienmord und Kannibalismus

 

 

 

 

 

 

 

 

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Serienmord, Kannibalismus und Petra Klages

 Etelsen - Von Jens Wenck

Kann sie noch gut schlafen? „Ja!“, strahlt Petra Klages. „Kein Problem. Ich hab‘ nur zweimal von einem Serienmörder geträumt.“ Die Etelserin beschäftigt sich beruflich mit Mördern, Vergewaltigern und Kannibalen. „Brieffreundschaft mit einem Serienmörder“ heißt eines ihrer Bücher.

„Serienmord und Kannibalismus in Deutschland“, ist der Titel ihres jüngsten Buches.

  

 

(Foto von Jens Wenck, anklicken und zum Artikel)

 

Die Fälle, die hier geschildert werden, haben es in sich. Gerichtsprotokolle, die Aussagen und Fantasien der Täter schockieren. Hier gibt es nicht den wohligen Schauer, die Spannung wie bei der Lektüre eines guten Kriminalromans. Weil Petra Klages der Realität Gehör und Gesicht verschafft. Dabei hat sie die schlimmsten Stellen geschwärzt oder weggelassen. „Weil ich diese Sensationsgier nicht befriedigen wollte.“

Was dann?

„In meinem ersten Beruf war ich Krankenschwester“, erzählt Klages. Hier kam es „zur Auseinandersetzung mit den Opfern massivster Gewalt“ sagt sie beim Gespräch in einem Café über eine Tasse Cappuccino hinweg. Sie hat in der Psychiatrie gearbeitet. Und, ja - eine Jugendfreundin ist auf das Übelste vergewaltigt worden. Von einem Serientäter. „Wie kann ein Mensch eine derartige Gewalttat ausführen?“, formuliert Petra Klages heute das, was sie damals bewegte.

Die Etelserin studiert, schließt als Diplom-Pädagogin und Psychologin ab, studiert in Hamburg Kriminologie. „Ursachenforschung. Sadisten, Mehrfachmörder, Pädosexuelle, besondere Taten, die anders sind als das Übliche“ sind ihr Feld.

Wie werden diese Täter zu dem, was sie sind? „Mörder werden nicht geboren, sie werden gemacht“, meint Klages. Das Böse fällt nicht urplötzlich vom Himmel. „Wir sind die Summe unserer Erfahrungen und werden immer geprägt durch das, was uns umgibt und Einfluss auf uns nimmt.“

Wann ist ein Mensch am stärksten zu beeinflussen? In seiner Kindheit und Jugend, und zwar massiv. Sexuellen Missbrauch in der Kindheit und Jugend stellt eine Studie der US-amerikanischen Bundespolizei bei einer Vielzahl der Täter fest. „70 bis 80 Prozent üben ihre späteren Taten an Tieren. Das hat nichts mit präpubertärem Probierverhalten zu tun.“

Tierquälerei, plötzlicher Rückzug, Bettnässen, notorische Brandstiftung – „Da beginnt häufig eine sehr, sehr gefährliche Entwicklung.“ Die von unserer Gesellschaft viel zu häufig nicht wahrgenommen wird, nicht wahrgenommen werden will, so der Vorwurf von Petra Klages. Was auch für Tierquälerei und Sodomie gelte.

Nehme man diese Signale ernst, könne der Kreis der Gewalt bei potentiellen späteren Tätern, die zu diesem Zeitpunkt noch Opfer sind, möglicherweise durchbrochen werden. Eine rechtzeitige Therapie könnte spätere Gewalttaten verhindern.

Petra Klages hat mit Serienmördern gesprochen, lange Briefwechsel geführt, den Kannibalen Armin Meiwes immer wieder im Gefängnis besucht. Und war sich immer sehr bewusst, wen sie da vor sich hat. Sie ist nicht auf der Suche nach Entschuldigungen für grausamste Taten sondern nach Erklärungen. Angetrieben von der Suche, wie sich solche Verbrechen in Zukunft verhindern lassen – wenn sie schon in der Vergangenheit nicht verhindert werden konnten.

„Ich möchte keinem von denen allein im Dunkeln oder im Hellen begegnen“, sagt Klages über ihre Forschungsobjekte. „Außer Herrn Meiwes.“

Der so genannte „Kannibale von Rotenburg“ füllte nicht nur 2003 und 2004 während seines Prozesses die Schlagzeiten und Titelblätter. Er verschaffte auch dem jüngsten Buch von Petra Klages einige Berichte. Keine Riesenschlagzeilen. Vielleicht, weil sie nach dem Menschen sucht, ihn auch gefunden hat und glaubt, dass ihm selbst heute noch eine entsprechende Hilfe positiv in seiner Entwicklung beeinflussen könnte. Eine Therapie hat Meiwes bis zum heutigen Tag nicht bekommen.

„Wir haben teilweise ein merkwürdiges Justizsystem“, so Klages. „Nehmen sie mal die Streichung der anschließenden Sicherheitsverwahrung.“ Dass nach einem EU-Gerichtsurteil jetzt Mörder und Kinderschänder in Freiheit kommen, findet sie: „Völlig schwachsinnig. Herzlichen Dank EU.“

Wenig hilfreich findet die Pädagogin, Psychologin und Kriminologin auch die Lektüre von Krimis. Da gehe es immer nur um die Stilisierung von Ermittlern zu Helden, die Ursachen der Taten kämen nicht vor.

„Für die Opfer“ steht über der Widmung in „Serienmord und Kannibalismus in Deutschland“ und „Die folgenden Erzählungen sind eine Aufforderung an die Menschen – eine Aufforderung hinzusehen, einzugreifen und zu helfen. So kann Schlimmes – möglicherweise sogar einige der furchtbarsten Verbrechen – verhindert werden.“

 

Ein kurzer Artikel in der taz - anklicken und zum Artikel: